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Angelica Schubert "Angelica Schuberts Kunst zu beschreiben hat etwas mit Science Fiction zu tun, denn sie entzieht sich sämtlichen Genrebegriffen, weil sie immer wieder neue Ingredienzen zusammenmischt und dadurch sehr beeindruckende Wirkungen zeigt. Dies gelingt ihr, weil sie über ein handwerkliches Spektrum und über eine langjährige Erfahrung in verschiedenen Ensembles und Kontexten verfügt. Ihr Thema sind die kleinen Besetzungen, die kurzen und unvergesslichen Eruptionen der Intensität. Das Ergebnis ist eine selten gesehene Vielfältigkeit in jeder Hinsicht. So mischt sie unterschiedliche Genres. In meiner Antigewaltrevue beim 95er Moers-Festival habe ich ein Thema zur Gewalt gegen Pflanzen vorgeschlagen. Angelica Schubert erschien dann in einem Tomatenkostüm und rannte schreiend durchs Publikum. Hinter ihr ein groß gewachsener Mann in weißem Kittel mit einem überdimensionierten Fleischermesser. Es ging wie jeder merkte um Tomatenmark. Eine drastische Performance. Ganz verschieden davon eine sehr lyrische Performance während der Generalprobe zu einem Intermission-Konzert in der Kölner Philharmonie. Die Probe dauerte bis weit nach Mitternacht. Angelica Schubert, so dachten wir, sei nach Hause gefahren. Im Backstagebereich der Philharmonie wimmelt es von Gängen und Treppenhäusern. Während der vielen Stunden hörten wir ein permanentes offenbar gesungenes Ostinato, dessen Herkunft nicht zu ermitteln war. Es kam offenbar von überall her, war nicht aufdringlich aber von einer großen "untergründigen" Intensität. Wir dachten nicht darüber nach, nahmen es aber sehr bewusst wahr. Irgendwann wollte ich heim, ging die große Treppe zum Ausgang hoch; der Klang wurde lauter. Auf der Treppe, genau an dem Punkt, wo der Schall von Boden und Decke exakt im gleichen Moment zurückkam, stand Angelica Schubert und sang Obertöne. Ich war gleichermaßen schockiert wie fasziniert. Sie hat sich dort, wie mir dann klar wurde, mindestens vier Stunden lang mit diesem Ostinato beschäftigt. Derartige Beispiele gibt es viele. Sie arbeitet streng und reduziert, was das Material angeht und so gewinnt der Ausdruck eine kristallklare Eindeutigkeit. Sie schafft es, in kürzester Zeit mit minimalen Mitteln eine enorme Präsenz und inhaltliche Tiefe zu erreichen. Dies erinnert an die Herangehensweise der asiatischen Künste". |
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